Was ist SGF Profiling?

Mittels Protonen-NMR-Messungen werden Fruchtsaftprodukte auf verschiedene, analytisch relevante Aspekte untersucht. Nach der Analyse können für jedes Muster mathematische Wahrscheinlichkeiten definiert werden. Gleichzeitig ist aber auch die Quantifizierung einer Reihe wichtiger Inhaltsstoffe durch dieselbe Messung möglich. Seit 2005 wurden bei Bruker die von SGF zur Verfügung gestellten authentischen Fruchtsaftmuster aus den wichtigsten Produktionsländern, verschiedener Varietäten sowie aus unterschiedlichen Produktionsprozessen analysiert. Mit den gewonnenen Werten wurde eine Referenzdatenbank aufgebaut, mit Hilfe derer die künftig zu  analysierenden Muster eingruppiert werden können. Die Kombination von  chemometrischer Statistik und Quantifizierung macht die Erkennung von unterschiedlichen Qualitätsabweichungen möglich. Die konventionelle Analytik kann im Anschluss daran gezielter, effektiver und kostengünstig zur Absicherung eingesetzt werden.

Wichtiger Bestandteil der Routineanalytik

Im Jahr 2007 begann der systematische Einsatz des SGF Profilings zur Untersuchung von Fruchtsaft-Halbwaren. Eine vorausgegangene mehrjährige Forschungsphase, die der SGF gemeinsam mit der Firma Bruker-Biospin GmbH durchgeführt hatte, stellte dafür die technischen Möglichkeiten und notwendigen Kenntnisse zur Verfügung. Inzwischen ist das Profiling bei der Kontrollarbeit von IRMA und IQCS ein wichtiger Bestandteil der analytischen Kontrollen, der mittlerweile unverzichtbar geworden ist.

SGF Profiling

Spektren müssen "gefüttert" werden

Das Profiling ist eine typische Fingerprintmethode und lebt insbesondere davon, dass eine Spektren-Datenbank die Produkte der Fruchtsaftindustrie repräsentativ abdeckt. Hierbei spielen die von den SGF Auditoren gezogenen authentischen Muster eine Schlüsselrolle, da Vergleichsspektren sinnvollerweise nur dann als Referenz herangezogen werden können, wenn die Muster industriell hergestellte Säfte sind.

Die daraus erstellten statistischen Modelle zur Bewertung von Saft-Spektren werden durch das stetige „Füttern“ der Datenbank mit neuen Referenzmustern kontinuierlich robuster und aussagekräftiger. Je größer und repräsentativer die Datenbank ist, desto genauer können die angewandten mathematischen Algorhyithmen erkennen, welche Teile der NMR Spektren für einen bestimmten Fruchttyp, eine Herkunft oder einen Produkttyp charakteristisch sind, und welche spektralen Bereiche durch starke natürlich bedingte Variationen sich weniger zur Auswertung eignen.

Waren es zu Beginn nur Apfel- und Orangenprodukte, so werden heute systematisch nahezu alle durch SGF gezogenen Muster der Analyse unterzogen, und inzwischen können auswertbare Modelle auch für weitere Früchte angeboten werden. Dabei sind die Umfänge der gemachten Aussagen zu den jeweiligen Früchten jeweils unterschiedlich, was darauf zurückzuführen ist, dass nur Modelle angewandt werden, die für den jeweiligen Fruchttyp validiert wurden.

Die mathematische Validierung der Modelle sowie eine Plausibilitätsprüfung bleiben auch in der Zukunft eine permanente Aufgabe, die sich Bruker und SGF teilen werden. Für bestehende Modelle müssen Abgleiche gegen neue Frucht-Anbaugebiete, neue Fruchtvarietäten, innovative Produktionstechniken oder jahrgangsspezifische Effekte durchgeführt werden. Auch Aspekte von spezifischen Qualitätsproblemen in der Branche müssen berücksichtigt werden. Die Zahl der Modelle und untersuchten Früchte wird sich kurzfristig erweitern.

Verwirklichung von Einsparpotentialen

Mit dem SGF Profiling werden insbesondere die Aspekte der Authentizität, der Verarbeitungstechnologie sowie dem des Vorhandenseins von Verderbsindikatoren in einer einzigen Analyse abgeprüft. Dadurch werden Einsparpotentiale verwirklicht, die es erlauben, sich immer mehr auf Kontrollen der Lebensmittelsicherheit (Pestizide, Schwermetalle, Mykotoxine) zu konzentrieren.

Derzeit kann das Profiling aufgrund seiner vielfältigen Aussagen, die aus einer einzelnen Messung abgelesen werden können, bei analytischen Untersuchungen in vielen Fällen Kosten sparen, doch ist die Methode noch zu jung, um als offizielle Methode in einem Rechtsstreit als Beweismittel zu dienen. Deshalb ist bei allen Beanstandungen immer noch eine konventionelle Absicherung nach unserer Einschätzung zwingend notwendig. Die Methode kann derzeit bei zwei kommerziellen Laboren in Auftrag gegeben werden, die auch entsprechend beraten. Natürlich stehen auch wir im Rahmen unseres Hotline Services für Fragen und Unterstützung zur Verfügung.

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